Die neue Generation der Citizen Developer: Unterstützt durch Künstliche Intelligenz

Menschen   |   Alteryx   |   Mai 1, 2025 LESEZEIT: 7 MIN
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Dank der Möglichkeiten von KI können Unternehmen heute in einem Tempo Veränderungen anstoßen, das früher undenkbar war. Was sie aus dieser Chance machen, liegt natürlich ganz bei ihnen. Laut den Autoren eines neuen Buches könnte der Erfolg davon abhängen, wie Unternehmen in der Lage sind, „Citizen Developer“ gezielt zu befähigen und ihre Fähigkeiten dann mit denen der zentralen Data-Analytics-Teams zu integrieren.

Die Autoren Tom Davenport und Ian Barkin waren kürzlich zu Gast in einer Folge unseres Alter Everything-Podcasts. Ihr neues Buch „All Hands on Tech: The AI-Powered Citizen Revolution“ beleuchtet die aufkommende Rolle von Citizen Developern und untersucht, wie sich die Demokratisierung von Data Science und der Einsatz von KI auf Unternehmen ausgewirkt hat. Nach umfangreicher Recherche sind beide der Ansicht, dass auch Personen, die keine Data Scientists sind, eine große Rolle dabei spielen können, das Potenzial von KI zu erschließen.

Citizen Developer übernehmen Verantwortung

Der Aufstieg des Citizen Developer ist bereits im Gange, doch professionelle Data Analysts in großen Unternehmen brauchen sich davon nicht bedroht zu fühlen. Ganz im Gegenteil, sagen Davenport und Barkin. Sie sind der Meinung, dass Citizen Developer „Beschleuniger sein können, die sowohl die Zukunft der Arbeit als auch die beteiligten Personen verändern“. Indem sie tief in die Geschäftsfunktionen von Unternehmen eintauchen und Daten und Analysen zugänglich machen, können Unternehmen die Wirkung von KI exponentiell skalieren. In diesem Szenario sind Citizen Developer die treibenden Kräfte des Wandels, die alles möglich machen.

Davenport und Barkin argumentieren, dass IT-Fachleute ursprünglich die einzigen waren, die in der Lage waren, von KI zu profitieren. Doch inzwischen sind Fachleute aus anderen Bereichen – wie Personal, Finanzen und Lieferkette – hinzugekommen und haben begonnen, wertvolle Beiträge zu leisten. Was also hat sich geändert? Die Technologie ist so weit ausgereift, dass sie nicht nur leistungsfähiger, sondern auch für die durchschnittliche Person im Unternehmen zugänglicher wurde. Barkin verweist auf den Erfolg der Low-Code/No-Code-Bewegung, die diesen Prozess beschleunigt hat. „Man konnte seine Ideen in die Tat umsetzen, und das hat den Wettlauf zu einem Wendepunkt weiter vorangetrieben, an dem jeder mit einer Idee diese Technologie nutzen kann, um sie umzusetzen.“

Was genau schaffen diese Nicht-Data-Scientists eigentlich? Viele von ihnen entwickeln individuelle oder abteilungsbezogene Anwendungen, die Daten für eine bestimmte Abteilung erfassen, oder erstellen kleinere Automatisierungen für eine Reihe definierter Aufgaben. Laut Davenport ist das beste Szenario, dass professionelle Data Analysts weiterhin unternehmenskritische Aufgaben leiten, während Citizen Developer Wege finden, um Prozesse zu beeinflussen. „Sie werfen der IT-Abteilung nicht einfach nur ein paar Anforderungen rüber und warten monatelang auf ein Ergebnis, sondern entwickeln ihre Systeme selbst“, sagt er.

Dieses kollaborative Modell hat dank Gartner nun einen Namen: Fusion Teams. Davenport sieht in Fusion Teams die Zukunft. „Professionelle IT-Entwickler und nicht-professionelle Fachexperten können viel stärker zusammenarbeiten als früher. Das haben wir in Unternehmen schon oft beobachtet.“

Sowohl Davenport als auch Barkin betonen die wichtige Rolle der Governance, da Daten immer mehr Menschen im Unternehmen zugänglich gemacht werden. Sie erkennen die Risiken der Demokratisierung an, bestehen aber darauf, dass mit einer gesunden Portion Governance, Leitplanken und Anleitung Chaos vermieden und der Wert vervielfacht werden kann.

Welche Fähigkeiten zeichnen einen guten Citizen Developer aus? Barkin verweist auf die Bedeutung von Daten- und Systemkompetenz sowie ein allgemeines Verständnis von Geschäftsprozessen. Über die fachlichen Fähigkeiten hinaus, so sagt er, spielen Persönlichkeitsmerkmale und die richtige Einstellung eine große Rolle. „Viele dieser Grassroots-Innovatoren galten als Querdenker, die gegen den Strom schwammen, weil sie überhaupt diese Idee hatten und beharrlich daran festhielten und sie verfolgten. Da gehört ein gewisses Maß an Mut und Ausdauer dazu.“

GenAI und der Citizen Developer

Wenn es darum geht, wie Citizen Developer GenAI einsetzen werden, verweist Davenport lediglich auf das Wunder, dass man sagen kann, was man möchte, und dann eine Antwort erhält. „Die Frage ist, wie viel Fachwissen man braucht, um das, was aus den eigenen Prompts herauskommt, zu nutzen – oder überhaupt die richtigen Prompts zu formulieren, um eine App, ein Modell, eine Website, eine Automatisierung oder ähnliches zu erstellen.“ Die Ergebnisse dürften sehr unterschiedlich ausfallen, sagt er. „Manche werden vielleicht ein wenig überfordert sein, aber es wird den Grad und die Geschwindigkeit der Digitalisierung in Unternehmen zwangsläufig beschleunigen.“

Eine wichtige Frage für Davenport und Barkin ist, wie schnell große Unternehmen diese Tools nutzen können, um sich im Handumdrehen zu verändern und anzupassen. Was dem im Wege steht, hat vielleicht wenig mit Technologie zu tun, sondern mehr mit der Art von reflexartigem Widerstand gegen Veränderungen, der in vielen Unternehmen besteht. „Man hat vielleicht Angst, obsolet zu werden oder etwas zu verpassen“, sagt Barkin. „Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Ihre Organisationsstruktur es Ihnen nicht erlaubt, ständig zu experimentieren.“

Die Diskussion innerhalb von Unternehmen könnte letztlich davon abhängen, wie viel Eigenverantwortung sie den Menschen tatsächlich zugestehen und wie sehr sie stattdessen an Compliance-Vorgaben und Prozessüberlegungen festhalten.

Wachstum bei realen Anwendungen

Setzen Unternehmen KI tatsächlich operativ ein und erzielen sie dadurch derzeit einen Return on Investment? Absolut, sagt Davenport und verweist auf PwC und ihren Einsatz von GenAI zur Steigerung der Produktivität. „Vor einem Jahr habe ich mit AWS eine Umfrage durchgeführt, die ergab, dass nur 5 % der großen Unternehmen über eine Produktionsanwendung verfügten. Aber mittlerweile sind es in den meisten Umfragen, die ich sehe, 15–20 %. Der Anteil wächst also.“

Barkin räumt ein, dass einige GenAI-Experimente scheitern werden, fordert Unternehmen jedoch dazu auf, kreativ über den ROI nachzudenken. „GenAI verändert die Sprache. Es verändert die Art und Weise, wie wir unsere Arbeit betrachten, wie wir unsere Daten verstehen und wie wir uns organisieren.“

Es bleibt abzuwarten, aber das wichtigste Nebenprodukt dieses äußerst dynamischen Moments könnte die Verringerung der Reibung zwischen der Datenseite und der Geschäftsseite von Unternehmen sein. Barkin ist diesbezüglich optimistisch. „Einer der interessanten Kommentare, die wir in unseren Interviews für das Buch gehört haben, war, dass man heute in einem Raum mit einem funktionsübergreifenden Team oft kaum unterscheiden konnte, wer aus dem ‚Business‘ kam und wer aus der IT-Seite, weil sie die Sprachen des jeweils anderen so gut beherrschten.“

Die Mauern fallen, sagt er. „Wenn wir diese Iterationen und Experimente fortsetzen, denke ich, dass wir uns immer wohler fühlen werden, wenn wir miteinander sprechen. Und das ist schon die halbe Miete.“

Alteryx und die Rolle KI-fähiger Daten

Mit zunehmender Technologiereife – und Teams, die neue, bessere Wege der Zusammenarbeit finden – werden Daten eine überragende Rolle bei der Ausweitung, Einführung und Skalierung von KI spielen. Plattformen wie Alteryx bieten wichtige Funktionen, die KI-fähige Daten liefern und Unternehmen gleichzeitig zum Erfolg verhelfen.

Auch nicht-technische Benutzer:innen, die Fachleute in anderen Geschäftsbereichen sind, können ihre Ideen leichter in die Tat umsetzen. „Alteryx wurde immer wieder erwähnt“, so Barkin, „als der Katalysator, der gute Ideen in konkrete Maßnahmen und umsetzbare Modelle verwandelt.“

Doch wie bereits erwähnt, liegt es an den Unternehmen selbst, sich voll darauf einzulassen. Davenport zufolge deuten seine Untersuchungen darauf hin, dass noch nicht alle so weit sind. „Einige Unternehmen haben den Nutzen sehr deutlich erkannt und die nötige Unterstützung gegeben. Andere jedoch leisteten auf Schritt und Tritt Widerstand. Ich denke, Unternehmen müssen erkennen, dass diese Entwicklung unvermeidlich ist – wer vorausschauend handeln will, gestaltet sie aktiv mit.“

 

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